DAS GRÜNE ZIMMER

Malerei von Elisabeth Lasche

Vernissage: Freitag, 10. Juni 16 um 20.00 Uhr

Öffnungszeiten:

dienstags 16.30 bis 18.30 Uhr und
samstags 12.00 bis 14.00 Uhr,
sowie nach Vereinbarung

zusätzlich:
Kunst und Kultur im Karree
25.6.16 von 13.00 bis 20.00 Uhr

dasgrünezimmer
Seit 2009 bestimmt die Farbe Grün meine Malerei. Jetzt hat das Museum MARTa in Herford im Mai 2016 dieser Farbe eine eigene Ausstellung mit dem Tenor gewidmet, dass sie besonders schwierig zu handhaben sei. Markus Lüpertz schmäht Grün sogar und sagt, dass man diese Farbe als Künstler nicht benutzen dürfe. Soviel Wind um eine Farbe. Mir liegt sie und ich benutze sie gerne. Als Kind spielte ich unbeschwert in meinem großen, grünen Zimmer. Es hatte sechs Eingänge. Einer führte ins Wohnhaus und die fünf anderen auf die Wege ins Dorf. Morgens betrat ich mein Reich barfuß und inspizierte noch im Nachthemd, was sich hier über Nacht wieder alles verändert hatte. Ich empfing hier Besuch, vergaß mich in den Brombeersträuchern, belauschte Erwachsene, sah wie die Schulkinder der Zwergschule gegenüber von Eingang 2 sich in der Pause an unseren Zwetschgen vergriffen und wie meine Mutter jeden Samstag Arme voller Blumen in die Kristallvasen der Kirche auf unserem Berg steckte. Wenn am Abend die Sonne lange Schatten warf und es in den unüberschaubaren Ecken unseres Pfarrgartens geheimnisvoll raschelte, musste ich mein Spielzimmer widerwillig verlassen.

In jeder Stadt, in die ich später zog, suchte ich als erstes nach einem solchen Ort, der mir im Draußen einen Platz für mein Drinnen bot. Ob im Norddeutschen oder in der Großstadt Berlin, in der Pfalz oder später hier im ostwestfälischen Land, zum Glück fand ich immer solch einen Platz.

Wie kostbar dieses Sein im grünen Zimmer ist, entdeckte ich allerdings erst richtig, als ich es vermisste. In San Jose in Kalifornien, wo ich als Austauschschülerin ein Jahr verbrachte, war das Land bis auf zwei Monate im Jahr braun, die Luft stickig und der Himmel grau. Mein grüner Rückzugsort im Freien, sein Licht- und Schattenspiel, seine Farben, seine Düfte, die Geräusche und Verstecke fehlten mir mehr als meine Familie und Freunde in Deutschland.

Auf der steten Wanderung zwischen damals, heute und morgen bin ich als Malerin in meinen Bildern nun lange Zeit durch Wiesen und Gräser gestreift, habe die fleckigen Häute alter Platanen geehrt und von Birkenwäldchen erzählt, habe im Holzschnitt versucht, das Rauschen von Baumkronen und die farbigen Baumschattenspiele eines Sommertages einzufangen und in meiner Malerei in das geheimnisvolle Dickicht des Waldes vorzudringen. Witterung, Bewegung, Lichtverhältnisse und Atmosphäre bestimmen meine Bilder und meine Erzählung vom grünen Zimmer. Auch meine neue Ausstellung mit Bildern aus dem Jahr 2015 sind davon beseelt.

Bisher war mein Thema eher persönlich, unpolitisch, unspek­takulär und unaufgeregt. Heute bekommt es im Zeichen des Klimawandels eine neue Dimension. Auch die Platanen vor unserer Haustür, denen ich schon vor einigen Jahren malerisch ein Denkmal setzte, stehen wieder mal in Gefahr von unbelehrbaren Politikern einer reinen Kosten-Nutzen-Rechnung geopfert zu werden. Um dieses grüne Zimmer direkt vor der Haustür werden wir kämpfen.

Elisabeth Lasche
Mai 2016